Circular Fashion Index 2025: Zirkularität in der Mode wächst langsam
Immer mehr Modemarken machen Fortschritte bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft, aber es ist noch ein weiter Weg. Kearneys Circular Fashion Index 2025 – jetzt in der fünften Ausgabe – bietet ein aktuelles Bild der Fortschritte und Herausforderungen der Branche und analysiert, wie Marken weltweit nachhaltige Praktiken über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg integrieren. In diesem Artikel untersuchen wir die wichtigsten Daten, Regionen und Kategorien, die laut Bericht den Wandel vorantreiben.
Am 11. Juli veröffentlichte das amerikanische Beratungsunternehmen Kearney die fünfte Ausgabe seines Circular Fashion Index (CFX). Die Ausgabe 2025 analysierte 246 Marken in 18 Ländern und fünf Hauptproduktkategorien – Mode, Sport, Outdoor, Unterwäsche und Dessous sowie Schuhe – und maß ihre Kreislaufwirtschaft in sieben Dimensionen, die den gesamten Produktlebenszyklus abdecken: vom Design über die Nutzung bis hin zum Post-Consumer-Management. Der Rahmen unterscheidet zwischen Primärmarktinitiativen wie zirkulärem Design, Pflegeanleitungen und Reparaturservices und Sekundärmarktinstrumenten wie Secondhand-Produktangeboten, Mietmodellen sowie Rücknahme- und Recyclingprogrammen.Die fünfte Ausgabe des CFX: Eine globale Momentaufnahme der Kreislaufwirtschaft in der Modebranche
Die Ergebnisse des Berichts zeigen, dass sich die meisten Marken in Bezug auf Kreislaufwirtschaft noch in der Pilotphase befinden. Nur 19 von 200 Marken erreichten eine Bewertung über 5/10, während der globale Durchschnittswert bei 3,4 von 10 Punkten lag – ein leichter Anstieg um 0,2 Punkte gegenüber 2024. Allerdings verlangsamt sich das Verbesserungstempo: In den ersten Jahren der Analyse war der Anstieg deutlicher, ein Zeichen dafür, dass die „einfacheren“ Maßnahmen bereits umgesetzt wurden, während nun komplexere Interventionen erforderlich sind. Der Durchschnitt liegt weiterhin bei 3,2, was zeigt, dass sich die meisten Unternehmen noch in der Anfangs- oder Zwischenphase der Umsetzung von Kreislaufwirtschaft in der Modebranche befinden.
Kreislaufwirtschaft in der Modebranche: Ein Sektor mit zwei Geschwindigkeiten – Vorreiter und Mitläufer
Die Welt der Kreislaufwirtschaft in der Modebranche entwickelt sich bei den Unternehmen mit sehr unterschiedlichem Tempo. Die globale Landschaft zeigt eine klare Kluft zwischen einigen wenigen Vorreitern, die Brancheninnovationen vorantreiben wollen, und einer großen Mehrheit, die hinterherhinkt und nur mäßige Leistungen und langsame Fortschritte bei der Entwicklung nachhaltigerer Modelle erzielt.
Laut den Ergebnissen des Circular Fashion Index:
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Nur 5 Marken übertreffen die Punktzahl 7.
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Weniger als 20 % der Marken überschreiten die 5-Marke.
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Etwa 80 % verzeichneten im Vergleich zu 2024 keinen Anstieg.
Letztendlich weisen nur 3–5 % der Marken eine „umfassende“ Umsetzung auf, was auf eine erhebliche Konversionslücke im Umfang dieser Praktiken hindeutet.
Zu den bekanntesten Namen im Führungskreis zählen Giganten wie Patagonia, das seit Jahren mit Programmen für Reparatur, Recycling und die Verwendung regenerierter Materialien eine Vorreiterrolle im Outdoor-Sektor einnimmt; Gucci, das Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu einem echten Mehrwert in der Luxusbranche macht, und Levi’s, das seit langem Upcycling- und Wiederverwendungsinitiativen für Rohstoffe umsetzt.
Diese Marken sichern sich ihren Vorsprung dank integrierter Initiativen an mehreren Fronten: der Verwendung von regenerierten Materialien, Rücknahme- und Wiederverkaufsprogrammen, auf Langlebigkeit ausgerichtetem Design und Transparenz in den Lieferketten. Umgekehrt tun sich die meisten Marken noch schwer, die Pilotphase zu verlassen oder die erfolgreichsten Initiativen zu verallgemeinern. Viele beschränken sich auf Kommunikationskampagnen oder Kapselkollektionen und versäumen es, diese Pilotprojekte auf die gesamte Produktionskette auszuweiten oder ihre Produktions- und Vertriebsprozesse grundlegend zu verändern. Dadurch entsteht eine deutliche Lücke, die laut Bericht die Transformation der gesamten Modebranche zu verlangsamen droht.
Geografische und kategoriebezogene Unterschiede bei der Einführung zirkulärer Prozesse
Der CFX 2025 zeigt, dass die Fortschritte im Bereich der zirkulären Mode weltweit sehr ungleichmäßig verlaufen und von kulturellen und regulatorischen Faktoren sowie den spezifischen Marktmerkmalen beeinflusst werden. Dadurch entsteht ein komplexes Mosaik, in dem einige Bereiche und Produktsegmente führend sind, während andere zurückbleiben.
Geografische Übersicht
| Geografisches Gebiet | Durchschnittswert 2025 | Veränderung gegenüber 2024 | Relevante Hinweise |
|---|---|---|---|
| Europa | 3,6 | +0,4 | Angetrieben durch Vorschriften wie ESPR, Digital Product Passport und Reparaturanreize |
| Nordamerika | 3,4 | +0,1 | Langsames Wachstum, Fokus auf freiwillige Initiativen |
| Asien-Pazifik | 2,7 | +0,3 | Japan verzeichnet dank der Wiederverwendungskultur ein starkes Wachstum (+0,6) |
| Lateinamerika | 2,5 | +0,2 | Begrenzte Fortschritte, insbesondere beim Weiterverkauf und bei der Reparatur |
In Europa ist der regulatorische Druck mit Verordnungen wie der ESPR (Eco Die Verordnung zum nachhaltigen Produktdesign (Design for Sustainable Products Regulation) und die Einführung des Digitalen Produktpasses haben viele Marken dazu ermutigt, stärker in Kreislaufwirtschaft zu investieren. Darüber hinaus zeigen europäische Verbraucher eine größere Sensibilität für nachhaltige Produkte, was zu einer steigenden Nachfrage nach langlebiger, reparierbarer und recycelter Kleidung führt.
In den USA und Kanada sind die Fortschritte jedoch fragmentierter und oft eher auf freiwillige Initiativen einzelner Marken als auf einen strengen Regulierungsrahmen zurückzuführen. Hier ist der Markt eher auf innovative Experimente ausgerichtet, allerdings mit größeren Schwierigkeiten.
Der asiatisch-pazifische Raum bietet ein heterogenes Bild: Japan zeichnet sich durch seine Tradition der Wiederverwendung und neue grüne Strategien aus, viele andere Länder der Region hinken jedoch noch hinterher, sowohl aufgrund mangelnder Infrastruktur als auch einer Modekultur, die eher auf schnellen Konsum ausgerichtet ist.
In Lateinamerika sind die infrastrukturellen Herausforderungen deutlicher erkennbar, doch das Interesse an Kreislaufwirtschaftsmodellen wächst, insbesondere in Großstädten, wo Start-ups und lokale Projekte entstehen, die den Sektor innovativ gestalten wollen.
Die vielversprechendsten Produktkategorien
Nicht alle Produktkategorien sind in der Kreislaufwirtschaft gleich weit fortgeschritten. In einigen Segmenten sind die Verbesserungen am deutlichsten:
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Unterwäsche (+0,3) – Innovationen bei recycelten Materialien und umweltschonenden Färbeverfahren.
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Luxus (+0,2) – Zunehmende Nutzung von modularem Design, Nachhaltigkeitskommunikation und Rückverfolgbarkeit.
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Outdoor (+0,2) – Fokus auf Reparatur und Wiederverkauf gebrauchter Artikel.
Insbesondere der Luxussektor profitiert von der Aufmerksamkeit für Qualität und Langlebigkeit von Kleidungsstücken und macht die Kreislaufwirtschaft in der Mode zu einem Element des Storytellings und der Markenpositionierung.
Hindernisse und Hebel für die Skalierung der Kreislaufwirtschaft in der Mode
Der Bericht hebt hervor, dass die größte Herausforderung weiterhin Skalierbarkeit. Viele Kreislaufprojekte bleiben aus mehreren Gründen auf Nischeninitiativen beschränkt:
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Begrenzte Infrastruktur für Recycling und Wiederaufbereitung von Materialien.
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Wirtschaftlich nicht nachhaltige Geschäftsmodelle.
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Übermäßiger Fokus auf marketinggetriebene Projekte ohne echte Integration in die Lieferketten.
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Schlechte funktionsübergreifende Zusammenarbeit: Kreislaufwirtschaft wird oft nur von Nachhaltigkeitsteams gesteuert, ohne dass Produkt, Design und Logistik umfassend in die Verantwortung genommen werden.
Ein weiterer kritischer Bereich ist der Post-Consumer-Markt:
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65 % der Marken bieten Reparaturservices an, allerdings meist in eingeschränktem Umfang.
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Wiederverkauf und Vermietung sind noch immer marginal, insbesondere außerhalb des Luxussegments. Segment.
Regulierung, insbesondere in Europa, stellt einen wichtigen Hebel zur Beschleunigung dar. Der eigentliche Sprung erfordert jedoch einen Ansatz, bei dem Kreislaufwirtschaft zur Unternehmensstrategie wird und nicht nur ein reines Reputationsthema ist.
Fokus – Zerow: Ein italienisches Modell integrierter Kreislaufwirtschaft
Während CFX 2025 die Schwierigkeiten bei der Skalierung der Kreislaufwirtschaft aufzeigt, gibt es in Italien Unternehmen, die zeigen, dass es möglich ist. Zerow, ein toskanisches Startup mit Sitz in Scandicci, hat eine Plattform entwickelt, die Unternehmen, Kunsthandwerker und Designer vernetzt, um Leder- und Stoffresten großer Luxusmodehäuser neues Leben einzuhauchen.
Zerow ist ein konkretes Beispiel dafür, wie Kreislaufwirtschaft in die Mode-Lieferkette integriert werden kann. Die Plattform ist auf die Rückgewinnung und Verwertung hochwertiger Leder- und Stoffreste aus der Modebranche spezialisiert und reagiert damit auf den wachsenden Bedarf von Marken an einem nachhaltigen Umgang mit ihren Materialüberschüssen.
Das Projekt ist in zwei Bereiche gegliedert:
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Digital, mit einem Online-Marktplatz und Rückverfolgbarkeitstechnologien zur Zertifizierung der Herkunft und der Auswirkungen wiedergewonnener Reststoffe;
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Physisch, mit Zerolab, einem Zentrum und Kreativlabor für die Rückgewinnung und Verarbeitung von Restleder.
Zerow bietet nicht nur eine Lösung zur Abfallreduzierung, sondern wird auch strategischer Partner für große Marken, die sich für den Übergang zu einem Kreislaufmodell einsetzen, und unterstützt sie dabei, ihre Reststoffe kreislauffähig, transparent und nachverfolgbar zu verwalten.
Gleichzeitig unterstützt Zerow aufstrebende Designer und Marken und bietet ihnen Zugang zu kreislauffähigen, wiedergewonnenen und nachverfolgbaren Rohstoffen. Dank transparenter Materialinformationen können sich Zerow-Kunden auf die Qualität und Herkunft ihrer Produkte verlassen.
Das Zerow-Modell vereint Handwerkskunst, Innovation und Gemeinschaft und zeigt, wie Kreislaufwirtschaft in der Mode skalierbar und replizierbar sein kann, wenn sie systematisch und funktionsübergreifend angegangen wird.



